Langsamer Start, furioses Ende

Das finstere Tal - Thomas Willmann

"Das finstere Tal" von Thomas Willmann ist ein Buch, das sehr langsam startet und nach etwa einem Drittel des Buchs gehörig an Fahrt aufnimmt. Auf den ersten 90 Seiten hatte ich den oder anderen Mal den Gedanken, dass ich das Buch am liebsten abbrechen würde: der Schreibstil erfordert volle Konzentration und die Handlung ist schnell umfasst, kriecht aber anfangs nur langsam voran:

Ein fremder Maler taucht im 19. Jhdt. in einem abgeschiedenen Hochtal der Alpen auf - er möchte gegen Bezahlung den Herbst in diesem Tal verbringen und malen. Nur mit genügend Geld gelingt es ihm überhaupt, sich eine Unterkunft im Hochtal zu beschaffen. Dann kommt der Winter und schneidet das Tal vom Rest der Welt ab...

Der Schreibstil von Willmann war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, aber wirklich sehr gut bis außergewöhnlich. Gerade im ersten Drittel waren mir manche Beschreibungen aber zu ausführlich und ich bereitete mich schon auf eine längere Lesedauer vor. Das Durchhalten lohnte sich aber auf jeden Fall!

Dann begannen nämlich die Zeitblenden - und ab da änderte sich alles: für die ersten 90 Seiten haben ich zwei Tage gebraucht, für die restlichen 230 ebenfalls. Da wird einiges Überraschendes offen gelegt und ich konnte das Buch kaum noch zur Seite legen. Und ich finde, dass man an dieses Buch mit so wenig Wissen wie möglich herangehen sollte - da ist meiner Meinung nach eigentlich schon so manche Andeutung in anderen Reviews zu viel.

Von mir gibt's eine Leseempfehlung für alle, die gut durchdachte, gut geschriebene Bücher mögen, die man eigentlich keinem Genre direkt zuordnen kann (dieses vielleicht: Zeitgenössisch und/oder Krimi/Thriller). Sehr gut geschrieben, sehr durchdacht und trickreich.
Mit einem Dank an Cormac McCarthy :-D